BMW 5-Serie 520 (E12)
Es gibt Autos, mit denen man nichts anfangen kann—bis man einsteigt. Der BMW E12 war so ein Auto für mich. Aufgewachsen mit Alfa Romeo im Blut, einem Großvater, der das Autohaus in Alkmaar führte, und einem 33 Sportwagon als erstem eigenen Wagen, hätte ich nie erwartet, dass mich eine bayerische Limousine eines Tages sprachlos machen würde.
Dann fuhr ich eines Tages eine. Nicht schnell, nicht spektakulär—einfach von Alkmaar nach Bergen über diese kleinen Straßen durch die Dünen. Und irgendwo zwischen den Egmonds und Bergen aan Zee verstand ich es plötzlich. Der E12 schreit nicht. Er flüstert. Und wenn man genau hinhört, hört man etwas ganz Besonderes.
Der E12 war der erste 5er. Punkt. Alles, was danach kam—der E28, der E34, der E39, der legendäre E60 mit den kontroversen Scheinwerfern, die heutigen digitalen Cockpits mit mehr Bildschirmen als eine Raumfahrt-Zentrale—es begann hier. 1972 rollte der erste E12 in München vom Band, und BMW hatte mit einem Schlag das Auto geschaffen, das die sportliche Limousine definieren sollte. Kein S-Klasse-Konkurrent, nicht der Luxus-auf-Rädern-Ansatz von Mercedes, sondern etwas Eigenes. Ein Auto für Menschen, denen Fahren wichtiger war als Gefahrenwerden.
Paul Bracq zeichnete ihn—derselbe Mann, der für den Mercedes 600 Großer und das BMW Turbo Concept verantwortlich war. Der E12 bekam diesen charakteristischen Hofmeister-Knick in der C-Säule, der seither bei jeder BMW-Limousine wiederkehrt. Die Nase war scharf, die Flanken straff, die Proportionen genau richtig. Kein Gramm zu viel, keine Linie zu wenig. Funktionale Schönheit, könnte man sagen.
Der 520 war das Einstiegsmodell, aber dieses Wort wird ihm nicht gerecht. Der M10-Vierzylinder war ein bewährtes Triebwerk—dieselbe Basis, die später im 2002 Turbo Furore machen sollte. Kein V6-Getöse, keine Sechszylinder-Romantik, sondern ein ehrlicher, mechanischer Motor, der tat, was man verlangte. Und 1978, als dieses konkrete Fahrzeug in Italien erstmals zugelassen wurde, war das genau genug.
Italien also. Stellen Sie sich vor: Februar 1978, irgendwo im Süden—Neapel, den Papieren nach zu urteilen. Ein Italiener kauft eine schneeweiße BMW-Limousine. Keinen Alfa, keinen Lancia, keinen Fiat. Einen Deutschen. Das war damals ein Statement. Dieser E12 verbrachte fast drei Jahrzehnte in Italien, bevor er 2006 die Alpen Richtung Niederlande überquerte. Und irgendwann in dieser Zeit wurde er mit einer Sorgfalt behandelt, die man selten sieht.
Der hier angebotene 520 ist—und ich wähle meine Worte mit Bedacht—eine Zeitkapsel. Chamonix Weiß, dieses kühle, fast klinische Weiß, das den BMWs der siebziger Jahre so gut stand. Das Interieur in blauem Velours, original, intakt, mit dieser typischen Siebziger-Textur, die man heute nirgends mehr findet. Der Gutachter von Alewijn vergab 2018 in allen Punkten die Bestnote. Neuzustand. Karosserie, Interieur, Technik, Originalität. Alles.
Ich habe in meinem Leben viele Wertgutachten gesehen. Die meisten sind Übungen in diplomatischer Formulierung. Dieses nicht. Der Mann schrieb schlicht: „Dieses Fahrzeug befindet sich in absolutem Neuzustand." Keine Einschränkungen, keine Relativierungen, kein Kleingedrucktes über „dem Alter entsprechend" oder „für ein Fahrzeug dieser Epoche". Einfach: Neuzustand.
Die Federung ist neu. Die Stoßdämpfer sind neu. Die Bremsen sind neu. Die Reifen—Vredestein Classic 175HR14—sind neu. Das ist kein Patina-Fahrzeug, kein „ehrlich gebrauchtes" Exemplar, bei dem man über Mängel hinwegsehen muss. Das ist ein E12, wie BMW ihn 1978 aus dem Showroom rollte—nur eben fast fünfzig Jahre später.
Und dann diese Farbe. Chamonix Weiß wird oft unterschätzt. Es ist nicht das langweilige Weiß eines Firmenwagens, nicht das übertriebene Perlmutt der neunziger Jahre. Es ist ein reines, klares Weiß, das die Linien des E12 perfekt betont. In Kombination mit dem dunkelblauen Velours-Interieur ergibt sich eine Farbstellung, die zeitlos ist, ohne retro zu wirken.
Einen E12 520 zu fahren ist eine Lektion in Bescheidenheit. Die 116 PS fühlen sich nicht an wie 116 PS im modernen Sinne. Sie fühlen sich an wie genau genug. Die Lenkung ist ungefiltert, das Getriebe mechanisch und präzise, das Fahrwerk straff, ohne gnadenlos zu sein. Das ist Fahren, wie es gedacht war, bevor elektronische Helfersysteme übernahmen. Sie lenken, das Auto folgt. Simpel. Ehrlich. Befriedigend auf eine Weise, die schwer zu erklären ist, wenn man nur moderne Autos kennt.
Der E12 ist nie zum Sammlerliebling geworden wie der 2002. Vielleicht, weil Limousinen nun einmal weniger aufregend sind als Coupés. Vielleicht, weil die Nachfolger zu gut waren. Aber genau deshalb ist dieses Exemplar so besonders. Während alle nach dem E30 M3 und dem 2002 Turbo jagten, stand dieser 520 irgendwo in einer Garage, geschützt vor den Elementen und dem Zahn der Zeit.
Manchmal frage ich mich, wo all die schönen Autos geblieben sind. Die Antworten sind meist ernüchternd: Rost, Unfälle, Vernachlässigung, die Schrottpresse. Aber hin und wieder taucht einer auf, der allem entkommen ist. Der fast fünfzig Jahre in einem Zustand überlebt hat, der ans Unmögliche grenzt.
Das hier ist so einer.
Besondere Merkmale
- BMW E12 520, Baujahr 1978
- Erstzulassung Italien, seit 2006 in den Niederlanden
- Chamonix Weiß (Originalfarbton)
- Blaues Velours-Interieur, vollständig original
- M10-Vierzylinder, 116 PS
- Wertgutachten Alewijn 2018: Neuzustand in allen Kategorien
- Neue Federung, Stoßdämpfer und Bremsen
- Vredestein Classic 175HR14 Bereifung (neu)
- Vollständige Dokumentation vorhanden
- Differenzbesteuertes Fahrzeug
Vollständiger Einblick in die Unterlagen, auf denen unsere Beurteilung beruht. Carfax-Fahrzeughistorie, Wartungsdokumentation und Lackschichtmessung — Seite für Seite durchblätterbar.