Honda CRX Del Sol 1.6 ESi
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In den 90ern hatte Honda etwas, das die meisten Hersteller sich nur in ihren Prospekten zu behaupten trauten: den Mut, genau das zu bauen, woran die Ingenieure Spaß hatten, und den Rest des Konferenztisches einfach mal nicht zu befragen. Es waren die Jahre des VTEC, der Motoren, die erst bei 8.000 Umdrehungen richtig wach wurden, einer Marke, die am Sonntagnachmittag die Formel 1 gewann und am Montagmorgen einer Nachbarin einen Civic verkaufte, an dem diese nie etwas machen lassen musste.
Zuverlässigkeit und Fahrspaß in einem Paket, das war damals fast ein Widerspruch. Bei Honda nicht.
Und dann war da der CRX del Sol. Offiziell der Nachfolger des gewöhnlichen CRX, in der Praxis ein völlig eigenes Wesen. Zwei Sitze, ein Targa-Dach, das man von Hand aus dem Ganzen hebt und im Kofferraum verstaut, und eine Linie, die immer noch aussieht, als wäre sie letzte Woche gezeichnet worden. Manche fanden ihn zu lieblich für einen Sportwagen. Genau diese Leute sind nie mit einem del Sol bei offenem Dach an einem Frühlingsabend im Mai über eine kurvige Landstraße gefahren, ihre Meinung wird hiermit also für ungültig erklärt.
Der angebotene ESi ist einer mit dem 1.6 Sechzehnventiler, gut für 125 PS. Kein VTEC-Brüllaffe, der einem die Nieren durchrüttelt, aber genau genug, um gemütlich voranzukommen, ohne jedes Mal den Führerschein zu riskieren. Handgeschaltet, versteht sich. Ein del Sol mit Automatik ist wie ein Espresso mit einem Schuss Wasser darin: technisch immer noch Kaffee, aber warum sollte man.
Was dieses Auto so besonders macht, ist weniger das Auto selbst als vielmehr die Akte darunter. Dieser CRX wurde im März 1997 vom Autohaus Thelen in Neu-Isenburg, schön bei Frankfurt, an einen gewissen Herrn Setzer ausgeliefert. Und von diesem Moment an gab es offenbar jemanden, der dieses Ding wie ein Familienmitglied behandelte.
Ich habe das Serviceheft durchgesehen und es ist ein Vergnügen zu lesen. Auslieferungsinspektion '97. Große Inspektion '98, 2000, 2004. Zwischenwartung, Ventilspiel, Kraftstofffilter, Kühlmittel, Zündkerzen, Bremsflüssigkeit. Alles sauber abgestempelt bei Honda-Händlern in und um Frankfurt. Namen der Mechaniker dabei, Weber, der die Probefahrt notiert, alles.
Und dann das Detail, über das sich jeder Interessent freut: der Steuerriemen, der Zahnriemen, wurde im Juni 2002 gewechselt. Bei einem Honda aus dieser Zeit ist das genau die Liste, auf die man achtet, und hier steht es einfach schwarz auf weiß im Heft. Das ist kein Auto, das zwanzig Jahre in einer Scheune stand, in der die Mäuse die Verkabelung als Mittagessen betrachteten. Das ist ein Auto, das jahrzehntelang vorbeugend zum Arzt ging.
Die Farbe ist Voque Silver metallic, ein Ton, der die Form schön sprechen lässt, ohne zu schreien. Innen Lederausstattung, eine Klimaanlage, die laut Heft 2006 noch eine Wartung erhielt ("auch Klima Wartung gemacht", notierte jemand mit deutscher Gründlichkeit), ABS, eine Wegfahrsperre mit jenem berühmten roten Codeschlüssel, den man bloß nicht verlieren darf, und das Reserverad mit Bordwerkzeug ordentlich an seinem Platz. Eine Zeitkapsel aus einer Zeit, in der Honda noch einfach Honda war.
Ich muss ehrlich dazusagen: Das ist inzwischen ein seltener Anblick auf deutschen Straßen. Die meisten del Sols sind irgendwo zwischen 2005 und heute dem Tuning-Drift, falsch geparkten Transportern oder dem Schrottplatz zum Opfer gefallen. Ein Exemplar mit einem kompletten deutschen Serviceheft ab Auslieferung ist fast ein archäologischer Fund. Dieses Auto kommt aus einer Zeit, in der ein Sportcoupé noch einfach Spaß machen durfte, ohne einen Bildschirm in der Größe eines Pizzabodens im Armaturenbrett.
Fahren, wie es gedacht ist, mit einem Dach, das man beim ersten Sonnenstrahl heraushebt, und einem Motor, der danach verlangt, einbezogen zu werden. Keine Elektronik, die alles für einen regelt, keine vier Fahrmodi, einfach Sie, drei Pedale und ein Schalthebel. Genau der Grund, warum Menschen wie Sie und ich solche Autos immer noch mit diesem leichten Kribbeln des Wiedererkennens betrachten.
Wer ein japanisches Stück Geschichte sucht, das man sorglos nutzen und an Sommerabenden offen fahren kann, sollte sich dieses hier einmal genau ansehen.
Nehmen Sie das Dach ab, biegen Sie in den Sommer ein, und lassen Sie den Rest des Autobahnkreuzes rätseln, was dieses eigenartige silberne Coupé wohl ist.
Besondere Merkmale
- Honda CRX del Sol 1.6 ESi, Baujahr 1997
- Handgeschaltet, 125 PS Sechzehnventiler
- Herausnehmbares Targa-Dach
- Farbe Voque Silver metallic
- Lederausstattung, zwei Sitze
- Komplettes deutsches Serviceheft ab Auslieferung (Autohaus Thelen, Neu-Isenburg)
- Zahnriemen gewechselt (Steuerriemen, 2002)
- Historie voller großer Inspektionen bei Honda-Händlern rund um Frankfurt
- Klimaanlage, ABS, Wegfahrsperre mit rotem Codeschlüssel
- Reserverad und Bordwerkzeug vorhanden
- Yokohama Sommerreifen 185/60/14, rund
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