Rolls-Royce Wraith 6.6 V12
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Es gibt Rolls-Royce, in denen man eigentlich hinten sitzen sollte. Der Wraith gehört gerade zu jener Sorte, bei der es eine Schande wäre, den Schlüssel jemand anderem in die Hand zu drücken.
Bei seiner Vorstellung im Jahr 2013 war genau das die Absicht. Mit dem Phantom und später dem Ghost hatte Rolls-Royce zu diesem Zeitpunkt bereits recht elegant bewiesen, dass die Marke auch unter den Fittichen von BMW noch Autos bauen konnte, in denen Stille, Leder, Holz und ein völliges Fehlen von Eile den Ton angaben. Doch es gab auch eine andere Art von Kunde. Jemanden, der zwar einen Rolls-Royce wollte, aber keinen Chauffeur. Und der beim Anblick einer herrlichen Bergstraße nicht sofort hinten die Zeitung aufschlagen wollte.
Dafür war der Wraith gedacht.
Der Name war übrigens nicht neu. Rolls-Royce verwendete Wraith schon 1938, doch die moderne Ausführung wurde etwas ganz anderes. Ein gewaltiges zweitüriges Coupé mit abfallender Dachlinie, langer Motorhaube und den bekannten hinten angeschlagenen Türen, vor allem aber mit 630 PS. Damit war er bei seiner Einführung der stärkste Serien-Rolls-Royce, den die Marke je gebaut hatte.
Unter dieser riesigen Motorhaube liegt ein 6,6-Liter-V12 mit zwei Turbos. Gut für 630 PS und 800 Nm, womit dieser über 2.300 Kilogramm schwere englische Herrenclub auf Rädern in weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Vor allem Letzteres spürt man, denn hören tut man es kaum. Ein Wraith macht aus Geschwindigkeit kein Schauspiel.
Kein Knallen aus dem Auspuff, kein übertriebener Motorsound, sondern zwölf Zylinder, die irgendwo weit vor Ihnen nahezu geräuschlos ihre Arbeit verrichten, während der Tacho mit bemerkenswertem Enthusiasmus in die andere Richtung klettert.
Das ist vielleicht das Beeindruckendste am Wraith. Rolls-Royce hat versucht, ein Auto sportlicher zu machen, ohne plötzlich einen Sportwagen daraus zu machen. Das Fahrwerk blieb komfortabel, die Lenkung entspannt und der Innenraum ein Ort, an dem das Leben draußen vor allem etwas ist, womit andere Leute zu kämpfen haben. Nur reagiert alles ein wenig wacher, und unter Ihrem rechten Fuß steckt eine Leistung, die man in einem traditionellen Rolls-Royce nicht unbedingt erwartet.
Und glücklicherweise sind alle gewohnten Rolls-Royce-Eigenheiten schlicht geblieben. Die gewaltigen Suicide Doors sind hinten angeschlagen und lassen sich elektrisch schließen, denn nach einem Türgriff zu greifen, nachdem man eingestiegen ist, ist offenbar bereits zu viel körperliche Arbeit. In den vorderen Kanten der Türen sind die bekannten Rolls-Royce-Schirme verstaut, und über Ihrem Kopf befindet sich der Starlight Headliner.
Kein nachträglich eingebautes AliExpress-Paket mit einer Fernbedienung, von der niemand mehr weiß, wo sie liegt, sondern Hunderte einzelner Glasfaserpunkte, die in den Dachhimmel eingearbeitet sind.
Damit kommen wir zu diesem Wraith aus dem Jahr 2014. Und tun wir bloß nicht so, als hätte derjenige, der ihn damals konfiguriert hat, vorgehabt, unbemerkt durchs Leben zu gehen.
Salamanca Blue über Arctic White ist keine zurückhaltende Kombination. Das Blau ist tief und ausgeprägt, das Weiß lässt die gewaltige Karosserie optisch noch imposanter wirken, und zusammen ist es genau an der Grenze zwischen schick und ordinär. Und eigentlich passt das hervorragend zu einem Wraith. Wenn man ein zweitüriges Rolls-Royce-Coupé mit V12, Suicide Doors, eingebauten Schirmen und einem Sternenhimmel bestellt, muss man bei der Wahl der Farbe nicht plötzlich verlegen werden.
Im Inneren geht es mindestens ebenso aufwendig zu. Vier einzelne Sitzplätze, große Mengen an Leder und jene typische Rolls-Royce-Verarbeitung, bei der nahezu jedes Bauteil, das bei einem normalen Auto aus Kunststoff wäre, hier Anlass gewesen zu sein scheint, noch etwas Leder, Metall oder Holz hinzuzufügen. Trotz der Coupé-Form ist er zudem ein ernstzunehmender Viersitzer. Der Wraith ist fast 5,3 Meter lang und hat einen Radstand von gut 3,1 Metern: Das ist kein Sportcoupé, in dem die Rückbank ausschließlich für einen Mantel taugt.
Auch technisch hatte sich Rolls-Royce einen hübschen Kniff ausgedacht. Die Achtgang-Automatik arbeitet mit GPS-Daten zusammen und kann anhand der bevorstehenden Straße bereits im Vo
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