Alfa Romeo 2600 Berlina
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Warum bin ich eigentlich so vernarrt in Alfa Romeo? Diese Frage stelle ich mir regelmäßig, meist dann, wenn ich mal wieder mit irgendeiner Ausrede in den Showroom spaziert bin, um 'nur mal zu schauen'. Die Antwort ist nie dieselbe. Manchmal ist es die Linie eines Kotflügels, manchmal der Klang eines Motors beim Kaltstart, manchmal einfach dieser Geruch von altem Leder und Benzindämpfen, der Sie sofort in eine Zeit zurückkatapultiert, die Sie nicht einmal bewusst erlebt haben.
Mein Großvater hatte die Alfa Romeo Vertretung an der Heilooërdijk in Alkmaar. Als Kind lief ich zwischen den Spidern umher, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Erst später begriff ich, dass ich eine Art Autoliebhaber-Disneyland als Spielplatz gehabt hatte.
Die 2600 Berlina ist ein Auto aus einer Zeit, in der ich noch nicht einmal ein Gedanke war, das aber perfekt in das Bild passt, das mein Großvater gezeichnet hätte, hätte man ihn nach den Glanzzeiten von Alfa Romeo gefragt. Die Szene: die frühen sechziger Jahre. Alfa Romeo ist gerade von den kleinen, handwerklichen Serien zu größeren Stückzahlen übergegangen, doch die DNA bleibt unverfälscht.
Die 2600 ist der große Bruder, die Repräsentationslimousine, das Auto, mit dem man als Direktor einer Mailänder Textilfabrik oder als römischer Anwalt zur La Scala fuhr. Sechs Zylinder in Reihe, 2,6 Liter, doppelte obenliegende Nockenwellen. In einer Zeit, in der die Konkurrenz noch mit seitengesteuerten Motoren dahinzuckelte, war dies eine reine Demonstration der Technik.
Der Entwurf stammte von Bertone, damals unter der Leitung eines jungen Giorgetto Giugiaro. Klar, elegant, ohne Schnörkel. Kein Übermaß an Chrom, keine amerikanischen Einflüsse, einfach italienische Nüchternheit mit einem Hauch Selbstsicherheit. Die 2600 Berlina war nie der lauteste Alfa, nie der schnellste, nie der begehrteste. Aber der reifste. Das Auto, mit dem man signalisierte, dass man es geschafft hatte, ohne es hinausschreien zu müssen.
Gut, zurück zur hier angebotenen 2600 Berlina.
Dieses Exemplar wurde am 13. Januar 1966 in Rom zugelassen, gekauft von M.A.I.A., einem Unternehmen für Landmaschinen und Industriefahrzeuge. Der Kaufpreis damals: 2.700.000 Lire. Umgerechnet auf die heutige Kaufkraft könnten Sie sich dafür eine recht schöne Wohnung in einer italienischen Provinzhauptstadt kaufen. Das Auto blieb jahrzehntelang in italienischer Hand, ging über Rom aufs Land nach Molise und machte 2015 die Überfahrt in die Niederlande.
Die Farbe ist Bianco Antico, ein wunderschöner Grauton, der perfekt zu jener Epoche passt. Das Interieur ist aus Leder, wie es sich gehört. Die 130 PS aus diesem Reihensechszylinder klingen nach heutigen Maßstäben bescheiden, doch bedenken Sie: Das ist 1966. Die Autostrada del Sole war gerade erst eröffnet, Geschwindigkeitsbegrenzungen gab es kaum, und mit dieser Leistung gehörten Sie zu den schnellsten zehn Prozent auf der Straße.
Das handgeschaltete Getriebe, die reine Mechanik, der direkte Kontakt zwischen Fahrer und Maschine: das ist Fahren, wie es einst gemeint war.
Was ich persönlich an diesem Auto so schön finde, ist die Kombination aus Status und Bescheidenheit. Die 2600 Berlina war nie ordinär. Kein Auto für die Neureichen, kein Prunkstück für jene, die gesehen werden wollten. Eher das Fortbewegungsmittel von jemandem, der wusste, was er hatte, aber kein Aufhebens darum machte. Ein Anwalt, der seine Mandanten lieber mit Argumenten überzeugte als mit goldenen Manschettenknöpfen. Ein Industrieller, der seinen Erfolg an Qualität maß, nicht an Quantität.
Die Dokumentation dieses Exemplars liest sich wie ein Stück italienischer Bürokratiegeschichte. Die originale Carta di Circolazione ist noch vorhanden, komplett mit Steuermarken aus den sechziger und siebziger Jahren. Sie können buchstäblich sehen, wann die Kfz-Steuer bezahlt wurde, wie das Auto den Besitzer wechselte, wie das Leben in Italien weiterging, während dieser Alfa in aller Ruhe seine Kilometer abspulte. Solche Papiere findet man kaum noch, und sie erzählen eine Geschichte, die keine moderne Datenbank erreichen kann.
Sechs Besitzer in fast sechzig Jahren. Das ist Loyalität. Das ist ein Auto, das gehegt und gepflegt wurde, nicht verschlissen. Er ist bereit, gefahren zu werden.
Für wen ist dieses Auto? Nicht für die Instagram-Generation, die nur posieren will. Nicht für den Anleger, der ihn in einen Safe stecken möchte. Wohl aber für den Liebhaber, der versteht, dass ein Reihensechszylinder mit doppelten Nockenwellen 1966 das Nonplusultra war. Der weiß, dass Bertone einst die schönsten Linien der Welt zeichnete. Der den Duft italienischen Leders zu schätzen weiß und keine Angst vor einem Auto hat, das Aufmerksamkeit fordert, aber niemals im Stich lässt.
Manche Autos sind mehr als bloße Fortbewegung.
Besondere Merkmale
- Baujahr 1966, Erstzulassung Rom
- Bianco Antico Exterieur mit Lederausstattung
- 2,6 Liter Reihensechszylinder,
Vollständiger Einblick in die Unterlagen, auf denen unsere Beurteilung beruht. Carfax-Fahrzeughistorie, Wartungsdokumentation und Lackschichtmessung — Seite für Seite durchblätterbar.
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